Holz-Beton-Verbunddecke im HoHo Wien

05.11.2025

Das HoHo Wien steht für eine neue Generation des Bauens – nachhaltig, innovativ und mit einem klaren Fokus auf den Baustoff Holz. Von Beginn an war es das Ziel der Projektentwickler, Holz nicht nur als konstruktives Element zu nutzen, sondern es sichtbar und erlebbar zu machen. Gerade bei einem Hochhaus dieser Dimension war das eine besondere Herausforderung – insbesondere bei der Deckenkonstruktion.

Warum keine reine Holzdecke?

Reine Holzdecken waren aus statischer Sicht nicht umsetzbar: Die geforderten Spannweiten hätten zu einer zu großen Deckenstärke geführt. Auch bauphysikalisch – Stichwort Schallschutz und Schwingungsverhalten – war eine reine Holzkonstruktion nicht realisierbar. Die Lösung lag in einer Holz-Beton-Verbunddecke (HBV), bei der sich die Materialeigenschaften von Holz und Beton optimal ergänzen:
– Holz übernimmt die Zugkräfte an der Unterseite,
– Beton die Druckkräfte an der Oberseite.

Diese Kombination ermöglicht schlanke, leistungsfähige und gleichzeitig nachhaltige Deckenkonstruktionen.

Die XC® Decke – ein geprüftes System von MMK

Für das HoHo Wien kam die XC® Holz-Beton-Verbunddecke der MMK Holz-Beton-Fertigteile GmbH zum Einsatz – ein Joint Venture der Mayr-Melnhof Holz Holding AG und der Kirchdorfer Fertigteilholding GmbH. MMK hat sich auf die Entwicklung und Produktion vorgefertigter HBV-Elemente spezialisiert und konnte die XC® Decke bereits erfolgreich am Markt positionieren.

Was die XC® Decke besonders macht:

  • Der Verbund erfolgt **ohne metallische Verbindungsmittel
  • Stattdessen sorgen im Brettsperrholz eingelassene Kerven für die kraftschlüssige Verbindung
  • Die Elemente werden nicht verklebt, was eine sortenreine Rezyklierbarkeit nach Ende der Nutzungsdauer ermöglicht.

 Zwei Welten, ein Bauteil

Die Herstellung einer Holz-Beton-Verbunddecke ist nicht nur technisch anspruchsvoll, sondern auch organisatorisch komplex. Denn hier treffen zwei Branchen mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen aufeinander:

  • Unterschiedliche Normen und Eurocodes
  • Verschiedene Planungssoftware und Fertigungsprozesse
  • Eigene Produktionsanlagen und Berufsbilder – vom Holzbau bis zur Betonindustrie.

Die Synchronisation dieser beiden Welten – von der Planung über die Produktion bis zur Montage – ist eine der größten Herausforderungen bei der Fertigung hybrider Bauteile. Die eigentliche Montage auf der Baustelle ist dabei fast schon das kleinste Problem. Denn alle Widrigkeiten werden vorab ins Werk verlagert – ein zentraler Vorteil des Montagebaus: Die Baustelle wird zur Zusammenbau-Stelle.

Logistik und Präzision

Für das HoHo Wien wurden im Kirchdorfer Werk in Gerasdorf rund 16.000 m² XC® Deckenelemente produziert – das entspricht etwa 1.000 Bauteilen, die in 250 LKW-Fuhren punktgenau und just in time zur Baustelle in Aspern geliefert wurden. Diese logistische Meisterleistung zeigt, wie gut die Zusammenarbeit zwischen Planung, Produktion und Baustelle funktioniert hat.

Ein starker Partner

Die Zusammenarbeit mit MMK war geprägt von Verlässlichkeit, technischem Know-how und Handschlagqualität. MMK hat nicht nur ein geprüftes System geliefert, sondern auch maßgeblich zur Effizienz und Präzision auf der Baustelle beigetragen. Das HoHo Wien profitiert bis heute von dieser Partnerschaft – und von einer Deckenkonstruktion, die den Anspruch des Gebäudes auf allen Ebenen widerspiegelt: nachhaltig, innovativ und zukunftsweisend.

Hier einige Eindrücke vom Februar 2019

Fotos:

  1. 1-4 (c) HoHo Wien & Erich Reismann